Vertrauen formt Veränderung

In unserer inzwischen mehr als 20-jährigen Zusammenarbeit haben Birgit-Rita Reifferscheidt und ich immer wieder erlebt, wie wichtig Vertrauen und Offenheit sind. Ohne einen Kultur des Vertrauens ist es niemandem von uns in einem Team möglich, in Beziehungen die Reife zu entwickeln, die wir alle für ein nachhaltiges Miteinander brauchen.

In unserem Buch Das kreative Wir wollen wir beschreiben, wie es gelingt, uns für die Potenziale zu öffnen, die sich nur in einer wohlwollenden Beziehungsraum entfalten können. Dafür ist Vertrauen unverzichtbar – in der Familie, in Freundschaften, im Unternehmen.

Emotionen sind wertvoll

Damit sich eine Kultur des Vertrauens zwischen uns entwickeln kann, sind Gefühle von besonderer Bedeutung. Vor allem, weil sie sowieso passieren… Sie gehören einfach dazu, wenn wir miteinander arbeiten und leben. Deshalb ist es so wichtig, bewusst mit ihnen umgehen zu können. Freude, Wut, Angst, Scham und Trauer – jedes Gefühl ist eine Möglichkeit, uns zu verbinden. Auf unterschiedliche Weise ermöglichen sie, den Kontakt mit anderen zu steuern und unsere Beziehungen bewusst zu gestalten.

Störungen haben Vorrang – das ist etwas, was uns in der gemeinsamen Arbeit zunehmend wichtig geworden ist. Manchmal kommt es zu einem Ungleichgewicht in unserer Zusammenarbeit. Manchmal werden bestimmte Gefühle – ohne böse Absicht – nicht ausgedrückt, führen dann aber zwischen uns zur ‘Verstopfung’, und der Arbeitsprozess stockt. Wir haben gelernt: Wenn eine von uns beiden ein ‚Störgefühl‘ wahrnimmt, offenbart sich darin oftmals eine intuitive Beziehungswahrnehmung. Jedes Mal, wenn wir ihr folgen, setzt sie zwischen uns neu Bewegungen frei.

Sündenbock ade!

Es ist relativ einfach, die Gefühle, die wir nicht wahrhaben wollen oder annehmen können, anderen in die Schuhe zu schieben (Wut, Scham, Angst, Trauer). Wir machen sie zu einen Sündenbock. Dann sind die anderen Schuld, dass ich mich so fühle, wie ich mich fühle…. Das scheint zunächst mal eine gute Lösung zu sein, um nicht selber Verantwortung übernehmen müssen. Denn Selbstverantwortung bedeutet am Ende auch: Fehler eingestehen, aus ihnen lernen – und mich gegebenenfalls zu entschuldigen.

Doch jedes Mal, wenn wir den anderen die Schuld in die Schuhe schieben, geben wir auch einen Teil unserer Verantwortung ab. Und damit unsere Möglichkeit, in Beziehung selbstbestimmt und vertrauensvoll zu handeln. In unserer Zusammenarbeit achten wir daher darauf, keine Sündenböcke zu installieren – und sie auch im Team nicht zu dulden. Die Auseinandersetzung mit der Logik der Gefühle – und dem eigenen Glaubenssystem, ist dabei für uns eine wesentliche Säule der Selbst-Reflexion (siehe dazu: Das flüssige Ich. Führung beginnt mit Selbstführung).

Zum Beispiel: Kulturwandel bei VAUDE

Ein gelungenes Beispiel für die Entwicklung einer Vertrauenskultur in einem Unternehmen beschreibt VAUDE-Geschäftsführerin Antje von Dewitz in diesem Interview mit Sebastian Purps-Pardigol. Als sie 2009 die Leitung des Unternehmens von ihrem Vater übernahm, war es ihr ein Herzensanliegen, für VAUDE – neben einer umfassenden Nachhaltigkeit (Gemeinwohl-Ökonomie, Fair Trade, ökologische Rohstoffe) – eine Kultur des Vertrauens aufzubauen.

Dazu gehört für sie ein bewusster Umgang mit den Gefühlen. ‘Der bewusste Umgang mit Emotionen macht uns beziehungskompetenter’. Und die Entwicklung von Selbstverantwortung, Selbstführung und einem neuen Führungsverständnis. Dr. Antje von Dewitz spricht in diesem Video auch über die Schwierigkeiten, die die Führungskräfte und Mitarbeiter auf diesem Weg meistern mussten – die gehören nun mal auch dazu. Eine wesentliche Erkenntnisse ist für sie: ‘Kulturwandel braucht Zeit’.

Ein sehr inspirierendes Interview:

Wie entsteht für Dich eine Kultur des Vertrauens?

Titelfoto: Birgit-Rita Reifferscheidt

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